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Faith Akintunde

Vor genau fünf Jahren zog ich mit meiner Physiotherapiepraxis in die Räume der Praxisgemeinschaft Schwarme. Ich hatte vorher alleine gearbeitet, in einem kleinen, separaten Raum am anderen Ende der Stadt. Der Umzug war eine Kalkulation auf einer Serviette: Mehr Miete, aber potenziell mehr Patienten durch den Kollegen nebenan. Was sich in den Jahren darauf wirklich veränderte, waren nicht nur die Zahlen. Es war die tägliche Art zu arbeiten.

Wenn Sie über eine ähnliche Struktur nachdenken, geht es meist um einen einfachen Gedanken: Zusammen ist man stärker. In der Realität ist es weniger ein Kraftakt und mehr ein ständiges Abstimmen und Teilen. Die Praxisgemeinschaft Schwarme ist für mich das gute Beispiel, wie das gehen kann, ohne dass eine Praxis die andere schluckt. Wir bleiben unabhängig, teilen uns aber Rezeption, Warteraum und vor allem eine bestimmte Haltung. Hier geht es nicht um Fusion, sondern um Kooperation. Die größte Überraschung für mich war, dass die größten Vorteile nicht die waren, die ich zuerst auf der Rechnung gesehen hatte.

Die harten Zahlen: Wo teilen sich Kosten wirklich lohnt

Meine Fixkosten pro Quadratmeter stiegen um etwa 15 Prozent. Das war der erste Schock. Was ich damals nicht genau berechnet hatte, waren die geteilten Posten. Die Rezeptionskraft teilen wir uns im Verhältnis unserer Patientenstunden. Plötzlich war eine professionelle Empfangsbetreuung für meine Einzelpraxis bezahlbar. Die monatliche Rechnung für Verbrauchsmaterial wie Desinfektionsmittel, Papierhandtücher und sogar Tee halbierte sich einfach, weil wir größere Gebinde kaufen. Die gemeinsame Anschaffung eines hochwertigen Sterilisators hat seine Anschaffungskosten in zwei Jahren amortisiert, allein durch den Wegfall eines externen Dienstleisters.

Die wirklich interessante Zahl tauchte erst nach drei Jahren in der Statistik auf: Meine Ausfallquote für Termine sank von durchschnittlich 12 auf 8 Prozent. Warum? Die Rezeption kann, wenn bei mir kurzfristig etwas frei wird, direkt einen Patienten des Kollegen anfragen, ob ein Termin vorverlegt werden möchte. Das füllt Lücken, die ich früher als Leerlauf verbucht habe. Dieser Effekt ist schwer in eine Prospektrechnung zu schreiben, aber er summiert sich auf mehrere tausend Euro im Jahr.

Der weiche Faktor: Der stille Gewinn an Zeit und Ideen

Der größte Unterschied zur Einzelpraxis ist die stille Entlastung im Kopf. Ich muss nicht mehr über alles entscheiden. Welcher Lieferant für Büromaterial? Das ist geklärt. Wann wird der Warteraum gereinigt? Ebenfalls geregelt. Diese mentalen Mikro-Entscheidungen fressen ungemein Energie. Jetzt gibt es dafür einfache Absprachen. Noch wichtiger ist der informelle Austausch. Ein kurzes Gespräch in der gemeinsamen Küche über einen schwierigen Fall hat mir schon mehr als einmal eine neue Perspektive gegeben. Es ist keine offizielle Fallbesprechung, sondern praktischer, alltäglicher Input.

Für Patienten wird die Praxisgemeinschaft oft als “Kompetenzzentrum” wahrgenommen. Sie kommen mit einem Problem zu einem von uns und erfahren, dass es unter demselben Dach noch eine andere Spezialisierung gibt. Das schafft Vertrauen. Die Weitergabe erfolgt nicht über eine bloße Empfehlung auf einem Zettel, sondern oft durch einen persönlichen kurzen Hinweis an der Rezeption. Die Loyalität der Patienten bindet sich so etwas stärker an den Standort als an eine einzelne Person. Das ist ein wertvoller Puffer für Urlaubs- oder Krankheitszeiten.

Fünf Jahre später sehe ich klar, was funktioniert und was man vorher bedenken sollte. Hier ist meine persönliche Checkliste, basierend auf gemachten Fehlern und Erfolgen:

  • Kalkulieren Sie die Mietkosten pro Quadratmeter genau, aber rechnen Sie die Einsparungen durch geteilte Stellen und gemeinsame Einkäufe auf zehn Jahre hoch. Oft dreht sich die Rechnung erst im dritten Jahr.
  • Schreiben Sie eine einfache, klare Grundsatzvereinbarung. Nicht 50 Seiten Vertrag, sondern eine Seite mit den Kernpunkten: Wie werden Gemeinkosten geteilt? Wer ist wofür verantwortlich? Wie lösen wir Konflikte?
  • Setzen Sie von Anfang an auf ein gemeinsames, einfaches Praxisverwaltungssystem, zumindest für den Terminkalender und die Stammdaten. Doppelte Systeme kosten nur Zeit und Nerven.
  • Suchen Sie sich keinen Partner mit dem exakt gleichen Leistungsspektrum. Ergänzung schafft Synergie, direkte Konkurrenz unter einem Dach schafft Misstrauen.
  • Planen Sie einen regelmäßigen, kurzen Jour fixe ein, einfach zum Austausch. Zweimal im Jahr reicht. Ohne festen Termin geschieht es nie.
  • Verteidigen Sie Ihre Unabhängigkeit in fachlichen Entscheidungen. Eine Gemeinschaft ist kein Kollektiv. Die letzte Verantwortung für die Behandlung des Patienten bleibt bei Ihnen.

Der Weg in eine Praxisgemeinschaft ist kein Allheilmittel für betriebliche Probleme. Er ist ein strategischer Schritt, der Disziplin und Kompromissbereitschaft erfordert. Für mich war er die richtige Entscheidung. Die gestiegenen Quadratmeterkosten habe ich durch geringere Gesamtbetriebskosten und stabilere Auslastung mehr als wettgemacht. Vor allem aber habe ich das Gefühl gewonnen, nicht mehr gegen jeden kleinen Wind allein ankämpfen zu müssen. Das ist ein Gewinn, den keine Bilanz ausweisen kann.